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 »Ein Gigolo zum Frühstück«

 

»Nathan, Magnus und der ominöse Froschkönig.

Magdalenas Leben hat in den letzten Wochen einiges verkraften müssen. Jetzt sind die Wogen geglättet – für`s Erste, wie es scheint. Denn neben Arthur und dem einfachen Mädchen aus dem Volk kommen auch noch Prinzen, Walküren und Odin ins Spiel.

Und kaum kann Magdalena akzeptieren, dass der Froschkönig tatsächlich ernsthaftes Interesse an ihr hat, bricht eine Flutwelle der Ereignisse über sie herein.

Magdalena beschließt, ihrer Selbstzweifel Herr werden (›Denk immer an die Kürbiskutsche! Du bist jetzt eine Walküre, kein dummer Trampel mehr!‹). Gleichzeitig muss sie sich eines Drachens in Form einer kleinen, biestigen Frau erwehren.

Aber nicht nur sie selbst, sondern auch ihre beste Freundin Christiane muss in einigen Punkten gewaltig umdenken.

Kann die junge Liebe zwischen Magdalena und ihrem Froschkönig die Herausforderungen meistern, vor die sie gestellt wird? Oder kommt ihnen am Ende ein Gigolo in die Quere?«

 

 

 

»Hi Arthur«


Ach, wo ist Romeo?

Seht Ihr ihn heut?

 


Die Vögel zwitscherten auf der großen Kastanie vor dem Fenster. Mit geschlossenen Augen blieb ich noch einen Moment liegen und lauschte.

Hach, war das schön! Obwohl mir das Wochenende noch in den Knochen steckte und ich eigentlich müde war, hatte ich mich schon lange nicht mehr so gut ge­fühlt. Jedenfalls nicht an einem Montagmorgen.

Aufstehen musste ich dennoch. Da konnte ich mich noch so gut fühlen, es blieb mir nicht erspart, mich fertigzumachen und zur Arbeit zu fahren. Schlau wäre es gewesen, mir den Montag noch freizunehmen, aber auch so hatte ich für Emmas Hochzeit schon weit mehr Zeit geopfert, als mir lieb war. Dachte ich jedenfalls, als ich den Urlaub einreichte. Wer hätte ahnen können, wohin das alles führen würde? Ich jedenfalls sicher nicht. So hatte ich mehr Auf und Ab erlebt, als ich normalerweise in zwei Jahren verkraften konnte.

Mit einem Seufzen stand ich auf und tappte ins Badezimmer. Dabei kam ich auf dem Flur an dem Froschkönig vorbei, der mir mit seinem verschmitzten Grinsen einen guten Morgen zu wünschen schien. »Hi Arthur«, begrüßte ich ihn und erwiderte sein Grinsen. Selbst wenn ich schlechter Laune gewesen wäre, hätte mich das Stofftier bestimmt zum Lächeln gebracht. War das nicht schön, etwas so Fröhliches in der Wohnung zu haben? Ich erfreute mich auf alle Fälle daran.

Ganz von allein glitten meine Gedanken zu dem Mann, der mir Arthur geschenkt hatte. Mann, was war ich doch für eine ausgemacht dämliche Kuh! All das, was gerade einmal zwölf Stunden hinter mir lag, konnte nur jemandem wie mir passieren. Wer traf sich schon wochenlang mit einem Mann, der gar nicht der war, für den man ihn hielt? Und merkte dabei nicht, dass ein anderer Mann längst handfestes Interesse an einem hatte ... Als mich die seltsamen Fotos von Arthur erreicht hatten, hätte mir ein Licht aufgehen müssen, aber ich war so versunken in meiner zurückweisenden Selbstbetrachtung, dass ich nie auf die Idee gekommen wäre, ein Mann wie Andreas könnte Interesse an mir haben.

›Andreas!‹ Sein Name hatte einen so schönen Klang in meinem Kopf, dass ich endgültig wie eine Idiotin grinste, wie mir peinlich bewusst wurde, als ich mich aus den Augenwinkeln im Badezimmerspiegel sah. Das Grinsen glitt aus meinem Gesicht, ich drehte mich vollends zum Spiegel und betrachtete mich kritisch.

Eines musste selbst ich mir lassen: Meine dreißig Jahre sah man mir nicht an. Mein Teint war frei von jedweden Falten - was natürlich daran lag, dass das Unterhautfettgewebe gut gepolstert war. Wie der Name ja schon sagte ... Abgesehen davon mochte ich mich ungeschminkt nicht. Meine Haut neigte zu gereizten roten Flecken, die Nase war eindeutig zu knollig und die Wangenknochen nicht ausgeprägt genug. Dafür mochte ich meine Augen, die von der Farbe dunklen Wald­mooses waren, eingerahmt von langen, gebogenen Wimpern. Ja, meine Augen waren schön, das hatte ich Andreas von Anfang an glauben können. Auch der Mund gefiel mir. Volle Lippen, für die so manches Starlet in Hollywood wahrscheinlich getötet hätte.

Dennoch ein Allerweltsgesicht. Zusammen mit den überschulterlangen, allerweltsdunkelblonden Haaren konnte ich damit niemanden hinter dem Ofen hervorlocken.

Aber mit ein wenig Make-up und Andreas‘ magischer Kamera konnte ich wirklich schön sein. Behaupteten jedenfalls die Bilder, die er von mir gemacht hatte. Wie wohl die von der Hochzeit geworden waren? Schließlich hatte er mich so ausgiebig fotografiert, dass zumindest das eine oder andere nett geworden sein musste.

›Nett ist die kleine Schwester von Scheiße‹, dachte ich mit einem leisen Kichern. Damit hatte ich ihn ganz schön zum Lachen gebracht, mitten auf der Autobahn, zum ersten Mal so dicht beieinander, so ganz allein.

Und ich hatte nichts gemerkt! War ich wirklich so sehr von mir überzeugt, so sehr davon überzeugt, dass mich kein attraktiver Mann mögen konnte, dass ich seine Blicke und sein Verhalten nicht hatte deuten können?

»Kunststück«, beschied ich mir unwillig. »Immerhin musste ich ja mit der Tatsache klarkommen, dass mich der junge Gott Nathan interessant genug fand, um mit mir ins Bett zu steigen.« Ich streckte mir die Zunge raus, zog das Sleepshirt über den Kopf und stieg rasch unter die Dusche. Gedanken über die eigene Attraktivität waren müßig, fand ich - es gab Wichtigeres im Leben.

Während die Haare ein wenig an der Luft trocknen sollten, ehe ich sie föhnte, warf ich einen Blick in den Kühlschrank. Aber nachdem ich bereits am Donnerstag nach Kiel aufgebrochen war - und davor eigentlich mit ›Nathan‹ hatte frühstücken wollen -, fand sich nichts besonders Leckeres darin. Spontan entschied ich mich für einen Käsetoast, und während der Toaster seine Ar­beit tat, brühte ich mir einen Kaffee auf.

Zwanzig Minuten später verließ ich das Haus und ging forschen Schrittes die Rüterstrasse hinunter zur U-Bahn-Station. Wie schön es draußen geworden war! Durch all den Stress mit Emmas Hochzeit war der beginnende Frühling größtenteils an mir vorbeigerauscht. Jetzt atmete ich tief durch, genoss die bereits wärmenden morgendlichen Sonnenstrahlen und freute mich.

Blöd, ich weiß. Aber ich fühlte mich einfach zu gut, um mich irgendwie ablenken zu lassen.

Die Arbeitswoche konnte beginnen.