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»Ein Froschkönig zum Dessert«

 

 

»Wie hatte meine Großmutter immer gesagt? ›Der Wind mag Berge zusammenwehen, aber keinen dicken Arsch!‹ Recht hatte sie gehabt.«

Magdalena Borgstedt hält von sich nicht sehr viel. Neben ihrem Übergewicht und ihrer alles in allem mehr als unscheinbaren Erscheinung neigt sie dazu, tollpatschig in einige Fettnäpfe zu tappen.

Als unerwartet Nathan von Schonenberg in ihr und das Leben ihrer besten (und sehr gutaussehenden) Freundin Christiane Siedenburg tritt, wirbelt er einiges durcheinander.

Denn der reiche und extrem gut erzogene Verlagserbe zeigt überraschend Interesse an Magdalena – und ihrer besten Freundin.

Um die Verwirrung noch größer zu machen, erreichen Magdalena absenderlose Bilder von einem Froschkönig.

Und zu guter Letzt steht die große Hochzeit ihrer ehemaligen Klassenkameradin an, die Magdalena und Christiane zurück in ihre Heimatstadt führen wird, die beiden aus gutem Grund verlassen haben ...

 

 Kapitel 1 - Wieder einer dieser Tage ...

 »So ein verdammter Mist!« Ich kniff reflexartig die Augen zusammen, obwohl ich genau wuss­te, dass ich das Desaster damit nur noch verschlimmerte.

Wieder einer dieser Tage ...

Ich hasste Montage abgrundtief. Genau wie jeden anderen Tag der Woche, jedenfalls wenn es Tage wie diese waren, an denen einfach alles schiefging. Es hatte bereits mit dem Aufstehen begonnen, als ich feststellen musste, dass ich eine knappe halbe Stunde zu spät dran war. Wie konnte man im Halbschlaf ein Handy abstellen und dann weiterschlafen? Offenbar eines meiner Talente. In der folgenden Hektik war ich über ein liegen gelassenes Kleidungsstück auf dem Fußboden gestolpert und hatte mir den Knöchel verknackst, bei dem Versuch, nicht zu stürzen.

Dann war mir der Wasserbehälter der Kaffeemaschine abgerutscht und hatte die halbe Arbeitsplatte geflutet. Während die Maschine das Wasser zum Kochen brachte, machte ich mich eilig daran, im Bad fertig zu werden. Für eine Haarwäsche war keine Zeit mehr, sodass ich meine Haare auf dem Hinterkopf zusammenfasste und mit einer großen Spange feststeckte. Das Make-up ließ sich erstaunlicherweise unfallfrei auf dem Gesicht verteilen, aber der Eyeliner war nicht nur am Wimpernrand gelandet, wo er hingehörte, sondern im vorderen Augenwinkel auch noch gleich im Auge. Das brannte wie Hölle! Mit verzogenem Gesicht widerstand ich dem Impuls, das Auge zu reiben. Stattdessen blinzelte ich vorsichtig und tastete nach einem Wattepad, um die Bescherung auszuwischen. Nachdem sich meine Sicht endlich etwas geklärt hatte, konnte ich sehen, dass sich um das linke Auge ein schwarzer Film verteilt hatte.

»Ganz toll!« Ich seufzte tief und machte mich daran, den Schaden zu richten. Am liebsten hätte ich mich wieder abgeschminkt, ausgezogen und wäre zurück ins Bett gekrochen. Aber diese Option bestand nicht. Um acht musste ich im Büro sein, komme, was wolle. Ich schnitt mir noch eine Grimasse, setzte meine Brille auf und begutachtete missmutig das gerötete Auge, ehe ich in die Küche eilte und den Kaffee in einen Thermobecher laufen ließ. Das Frühstück würde heute ausfallen - nicht, dass mir das schaden würde, wie ich unwillig feststellte.

Wenig später verließ ich meine kleine Wohnung und eilte die Rüterstrasse hinunter, um die U-Bahn zu erwischen. Ich war spät dran, wenn auch zum Glück noch nicht zu spät. Die Morgensonne blendete, aber das störte mich nicht. Nach dem gefühlt endlosen Winter genoss ich jeden Sonnenstrahl. Sobald ich erst einmal die Bahn erreicht hatte, würde ich schließlich wieder im dämmerigen Kunstlicht verschwinden. Und auch das Büro war nicht gerade sonnendurchflutet. In meiner Eile spürte ich immerhin nicht die noch recht kühlen Temperaturen, ganz im Gegenteil, mir war inzwischen kuschelig warm. Eilig über den letzten Zebrastreifen, noch schnell bei Rot über die Fußgängerampel und dann unter das Dach des Busbahnhofes, hinter dem sich der Zugang zur U-Bahn öffnete.

Eine Hand am Geländer eilte ich die Treppe nach un­ten - ich wollte heute Morgen sicherlich nicht riskieren, herunterzustürzen! Bei meinem Glück ...

Leicht außer Atem erreichte ich schließlich den Bahnsteig, als die Bahn auch schon einfuhr. Während der Zug abbremste und langsam zum Stehen kam, erhaschte ich einen Blick auf mein Spiegelbild und verzog unwillkürlich den Mund. Ich sah mich nicht gerne an, vor allen Dingen nicht so unvorbereitet. Der helle Trenchcoat, den ich über der dunklen Hose und der hellen Bluse trug, war nicht gerade vorteilhaft, wie ich fand. Unwillig zupfte ich daran herum und stellte ohne große Überraschung fest, dass er mir nicht mehr wirklich gut passte. Ob er eingelaufen war? Nein, wohl eher nicht. Offenbar hatte ich ein paar Pfund zugelegt, seit ich ihn mir gekauft hatte.

Ohne einen weiteren Blick auf mich zu verschwenden, stieg ich in die Bahn, suchte mir einen Stehplatz in einer Ecke, wo ich nicht ständig angerempelt werden würde, und versuchte, meine Gedanken abzuschalten. Dieser Tag hatte wirklich nicht gut angefangen! Da konnte ich es mir sparen, mich auch noch in wehleidigem Klagen über mein Gewicht zu ergehen. Schließlich war ich selbst schuld! Wie hatte meine Großmutter immer gesagt? ›Der Wind mag Berge zusammenwehen, aber keinen dicken Arsch!‹ Recht hatte sie gehabt.

Aber trotz aller guten Vorsätze konnte ich nicht verhindern, dass mein Blick wieder zu einer spiegelnden Fläche wanderte. Ich mochte mich so gar nicht mit den streng nach hinten genommenen Haaren, aber was hatte ich schon für eine Wahl gehabt? Naja, selbst offen waren diese straßenköterblonden Haare nicht gerade eine Aus­geburt an Attraktivität, was sollte es also? Alles in allem passte es wohl zu mir.

›Hör mit diesen düsteren Gedanken auf!‹, schalt ich mich, aber das würde nichts bringen, das wusste ich nur zu gut. Wenn ein Tag in diesem Selbstmitleid-Modus begann, war er in der Regel nicht mehr zu retten.

*.*.*

Zum Glück schwamm ich mit einem Pulk Kollegen in das Büro, sodass ich nicht gezwungen war, ein Gespräch zu führen. Ich mochte dieses ›Wie war dein Wochenende?‹ Gehabe nicht. All dieses ›Oh, dieser oder jener Club ist ja sooo toll!‹ ging mir gehörig auf die Nerven. Ich wollte nicht weggehen, jedenfalls nicht in laute Clubs, Bars oder Diskotheken. Mich zog es eher ins Kino oder in Ausstellungen, wodurch ich unter all meinen jüngeren Kollegen als stinklangweilig galt.

Bei Tageslicht betrachtet war ich das wahrscheinlich auch. Kein Haustier, kein Partner, kein gar nichts. Stattdessen eine kleine Wohnung und langweilige Hobbys wie Lesen oder gar Handarbeiten. Damit konnte man in einer quirligen Stadt wie Hamburg niemanden hinterm Ofen hervorlocken, der jünger als fünfund-vierzig war.

Gedankenverloren tauschte ich am Garderoben-schrank die flachen Schuhe gegen Pumps, hängte den Trenchcoat auf und stieg die Treppe hoch in das Großraumbüro, in dem ich arbeitete. Sofort wurde ich von dem allgegenwärtigen Lärm erschlagen, der hier fast zu jeder Tageszeit herrschte. Erst abends nach siebzehn Uhr, wenn die meisten nach Hause gegangen waren, kehrte Ruhe ein. Wenn Abschlüsse anstanden, verbrachte ich so manchen Abend im Büro, weil der Arbeitstag einfach nicht genügend Stunden hatte.

Nachdem ich meine Kolleginnen mit einem gemur­melten Gruß bedacht hatte, fuhr ich den Rechner hoch, versuchte mal wieder, mich an das Passwort zu erinnern, das ich leider alle zwei Wochen ändern musste, und sortierte die Post, die bereits in meinem Eingangskörbchen lag. Manchmal fragte ich mich, wann unsere Büroboten mit der Arbeit anfingen, denn egal, wie früh ich auch im Büro war, die Post war immer schon vor mir da.

Die Arbeitswoche konnte beginnen.