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"Der Fluch der Kelten"

 

 »Eine Geschichte, die so schön und so tragisch ist, dass sie das Universum zum Weinen bringt.«

Ein Engel, der Kontakt mit einem Menschen aufnimmt.

Ein Vampir mit einer Seele, der im Tageslicht wandeln kann.

Ein Artefakt, das die gesamte Menschheit bedroht.

Famke Garrels begibt sich nach den aufregenden Ereignissen aus der "Seelenchronik" erneut auf eine gefahrvolle Reise, um die Menschheit vor einer dämonischen Bedrohung zu bewahren.

Aber das Artefakt, dem die Dämonen magische Kräfte nachsagen, entpuppt sich als Unterpfand eines uralten Fluches.

Famke wird immer tiefer hineingesogen in Ereignisse, die im Jahr 1086 ihren Anfang nahmen. Fluch und Gegenfluch, Hass und Liebe. Eine Suche, die den Erdball umspannt und Epochen überdauert.

Tauchen Sie ein in eine Welt voller Engel, Dämonen und Götter. Verfolgen Sie die wahre Liebe über eintausend Jahre hinweg und erfahren Sie, ob die Liebe obsiegt.«

 

Auszug Kapitel 1

 

Famke fuhr mit einem leisen Schrei auf den Lippen aus dem Schlaf und starrte erschrocken in die Dunkelheit, bis ihr bewusst wurde, wo sie war.

Sie hatte nur geträumt.

Wieder einmal.

Sie seufzte tief und ließ sich zurück in die Kissen sinken. Es war noch dunkel, aber das Mondlicht zeichnete feine Streifen auf den Teppich, wo es sich durch die Spalten in der Jalousie zwängen konnte.

Seit ein paar Tagen hatte sie immer wieder diese äußerst verstörenden Träume, die an Intensität zuzunehmen schienen. Bisher hatte sie das ganz gut weggesteckt, aber ihre Instinkte sagen ihr, dass es hier um mehr als nur seltsame Träume ging.

Sie würde mit Jeff reden müssen.

*.*.*

Jeff Conners war Hexenmeister und leitete die Hexenschule in Briarcliff Manor, New York. Famke Garrels war vor gut einem Jahr zu ihm gekommen, um sich weiter ausbilden zu lassen, nachdem sie in ihrer Heimat Norden erste Erfahrungen mit Magie und der dunklen Seite der Welt hatte machen dürfen. Oder müssen, je nachdem, wie sie es gerade auslegte.

Famke hatte in der Schule vieles hinter sich lassen können, aber auch hier war sie offenbar nicht ganz gefeit gegen Einflüsse von außen.

„Jeff, ich muss mit Ihnen reden.“ Sie suchte ihn in seinem Büro auf, als der Unterricht bereits begonnen hatte. Dies war die günstigste Zeit, um ungestört mit ihm reden zu können.

„Was kann ich für dich tun, Famke?“ Der Amerikaner tat sich auch nach all der Zeit immer noch schwer, ihren Namen korrekt auszusprechen, aber sie hatte es längst aufgegeben, ihn zu verbessern.

Jeff mochte ein guter Hexenmeister sein, ansonsten war er allerdings eher ein Chaot. Sein Büro war ein Schlachtfeld und er vergaß beinahe alles, was er sich nicht in einem dicken Notizbuch aufschrieb.

„Ich glaube, ich habe eine Art Vision“, begann sie und ließ sich auf einem der bequemen Stühle vor Jeffs Schreibtisch nieder. „Wiederkehrende Träume voller symbolhafter Bilder. Beängstigend.“ Sie schüttelte sich, als sie eine Gänsehaut bekam.

„Was genau träumst du?“ Auf einmal waren Jeffs Augen hellwach, voller Aufmerksamkeit, alle Zerstreutheit war verflogen. Er setzte seine Lesebrille auf die Nasenspitze und griff sich einen Stift.

„Ich träume von Feuer“, begann Famke zögernd. Sie wollte die Bilder eigentlich nicht vor ihrem geistigen Auge beschwören, aber ihr blieb kaum etwas anderes übrig. „Flammenschwerter, wie Engel sie haben. Ich sehe gewaltige Schwingen, weiß und machtvoll. Ich kann sie rauschen hören. Ebenso wie das Klicken und Keckern von Dämonen.“ Sie schüttelte sich erneut. „Am schlimmsten ist aber die Angst, die ich empfinde. Es ist Todesangst. Eine so tief greifende Urangst, dass ich jedes Mal mit klopfendem Herzen voller Panik aus dem Schlaf schrecke.“

„Engel.“ Jeff sah sie forschend an und legte den Kopf schief. „Und Dämonen. Das klingt mir sehr ...“ Er brach ab und begann, sinnlose Kreise auf das Papier vor sich zu malen. „Hast du eine Idee, was dir der Traum sagen will? Wer ihn dir schickt? Welche Art Dämon ...“

„Es ist kein Dämon“, unterbrach ihn Famke und rutschte auf dem Stuhl nach vorne. „Ich glaube, es geht um den Engel.“

Jeff räusperte sich und sah kurz aus dem Fenster, ehe er sie direkt ansah. „Famke“, begann er ruhig. „Ich glaube, die Vorstellung von Engeln ist doch wohl nur der christliche Ausdruck für ...“

Aber Famke unterbrach ihn erneut. „Nein, ganz gewiss nicht.“ Ihre Stimme trug ein belustigtes Schnauben mit sich. „Jeff, es gibt Engel! Glauben Sie mir. Ebenso sehr, wie es Dämonen gibt. Und zwar leibhaftig und so, wie sie beschrieben und dargestellt werden. So wie die Wasserspeier dem wahren Gesicht vieler Dämonen entsprechen, so entsprechen die geflügelten Männer der Wahrheit über Engel.“ Sie machte eine Pause, wollte, dass ihr Gegenüber das Gesagte verdauen konnte. „Ich habe einen von ihnen kennengelernt“, erklärte sie dann ruhig. „Er entsprach vielleicht auf den ersten Blick nicht dem, was man sich unter einem Engel vorstellen würde, aber er muss sich hier auf Erden natürlich tarnen. Ich versichere Ihnen, sie sind real.“

Jeff schluckte und starrte erneut aus dem Fenster, dann auf sein Notizbuch, zu Famke.

„Engel“, murmelte er und sie beobachtete belustigt, wie seine Hand fast automatisch die Skizze eines geflügelten Wesens auf das Papier brachte. „Tatsächlich? Ich hielt das immer für eine Metapher.“

„Ihr großen Männer der Dämonengegner erstaunt mich jedes Mal aufs Neue“, sagte Famke erheitert. „Ihr wisst, dass es Dämonen gibt! Ihr wisst, dass es einen Teufel gibt! Wie könnt ihr da die Existenz von Engeln oder gar Gott infrage stellen?“

Jeff antwortete nicht darauf, sondern versuchte scheinbar, das Gehörte zu verarbeiten.

„Du denkst also, dass ein Engel mit dir in Kontakt treten will“, fasste er Famkes Aussage zusammen. „Über diesen Traum. Und du glaubst das, weil ...“

„Ich seine Angst spüren kann“, beantwortete Famke die halbe Frage. „Meiner Meinung nach schickt er mir Bildfragmente und Gefühle von etwas, das er erlebt hat. Er will mich damit erreichen, weil er wahrscheinlich meine Hilfe braucht.“ Sie hob die Schultern. „Wobei ich mir nicht vorstellen kann, wofür ein göttliches Wesen meine Hilfe benötigen sollte. Und warum er nicht einfach herkommt oder mir immerhin eine klare Botschaft schickt.“

„Zumindest die letzte Frage kann ich dir beantworten“, sagte Jeff. „Briarcliff Manor ist gegen magische Eingriffe aller Art abgeschirmt. Wir haben einen Schutzschild errichtet, der uns für die meisten anderen magischen Wesen unsichtbar macht. Ansonsten wäre es viel zu gefährlich, so viele nur halb ausgebildete Hexen und Hexer an einem Ort zu haben.“

„Verstehe.“ Famke nickte langsam und rieb sich die Nase. „Was soll ich also tun? Ich würde gerne wissen, was er von mir will, wofür er mich braucht. Sollte ich Briarcliff Manor verlassen, um für ihn erreichbar zu sein?“

„Nein!“ Jeff stand auf und schüttelte vehement den Kopf. „Famke, deine Instinkte in allen Ehren, aber ... ich würde nicht darauf wetten, dass derjenige, der mit dir in Kontakt treten will, tatsächlich ein Engel ist! Dämonen kennen viele Wege der Täuschung und ich kann und will es nicht riskieren, eine meine Schülerinnen in Gefahr zu bringen.“

„Okay, gut.“ Famke hob fröstelnd die Schultern. „Offenkundig bin ich immer noch viel zu gutgläubig und naiv.“

„Du solltest dir deinen Glauben auch bewahren“, redete ihr Jeff gut zu. „Misstrauisch und abgeklärt wird man leider viel zu schnell. Nein, ich habe eine andere Idee: Ich würde dir gerne heute Nacht Elsworth zur Seite stellen. Er ist das stärkste Medium, das wir haben. Er kann für dich als Antenne fungieren, die Barriere durchlässig machen, sodass der Absender deiner Vision ungehindert senden kann. Das verhindert, dass jemand in die Schule eindringt und niemand kann dir Schaden zufügen. Aber du würdest endlich mehr als nur Fragmente zu sehen bekommen.“

„Das ist eine gute Idee!“ Famke freute sich, dass Jeff ihre Gedanken und Visionen nicht vollkommen von sich gewiesen hatte. „Dann sollte ich jetzt wohl zurück in den Unterricht gehen.“

„Ja, das wäre anzuraten.“ Jeff machte sich schmunzelnd eine Notiz und sah ihr nach, wie Famke das Büro verließ.

Aber Famke konnte jetzt nicht in den Unterricht gehen, dafür waren ihre Gedanken und Gefühle viel zu aufgewühlt. Statt dessen verließ sie das Hauptgebäude und ging in den weitläufigen Park dahinter.

Briarcliff Manor war ein riesiges Anwesen aus dem achtzehnten Jahrhundert, mit einem efeubewachsenen Herrenhaus, Stallungen und diversen Nebengebäuden sowie einer großen Parkanlage.

Die Schule selbst enthielt auf drei Etagen die Zimmer der Schülerinnen und Schüler, die Unterrichts- und Gemeinschaftsräume und tief unter dem Haus im Felsen sogar Kerker und Verliese für die nichtmenschlichen Gäste.

Alles wirkte wie ein altehrwürdiges College, und dieser Schein wurde auch nach Kräften gewahrt. Wenn die Nachbarn gewusst hätten, was hier tatsächlich unterrichtet wurde!

Gut, so ganz unrecht hatte die Tarnung nicht, denn die jungen Hexen und Hexer erhielten sehr wohl auch konventionellen Unterricht, damit sie später in die normale Welt entlassen werden konnten.

An vielen Tagen fühlte sich Famke nicht anders, als es wohl jede andere Frau in ihrem Alter tat. Aber hin und wieder wurde ihr bewusst, wo sie hier lebte – und was sie hier tat.

Noch vor zwei Jahren hätte Famke keine Ahnung gehabt, dass es diese Welt neben ihrer gewohnten gab. Dass es Männer wie Jeff Conners magisch Begabten suchten und ausbildeten. Seine Vergesslichkeit und Zerstreutheit war vielleicht dem Umstand geschuldet, dass er sehr große Verantwortung zu tragen hatte.

Niemals hätte sie Jeff als Hexenmeister erkannt. Er war mit seinen fünfundvierzig Jahren ein mäßig attraktiver Durchschnittsamerikaner, weder ungewöhnlich groß noch klein, nicht dick, aber auch nicht dünn. Seine braunen Haare trug er in einem leicht wirren, aber ansonsten unauffälligen Schnitt und seine Kleidung hätte auch zu einem Collegelehrer gepasst.

Nach außen hin unterschieden sich die wenigsten Lehrer und Schüler hier von dem amerikanischen Durchschnitt. Aber wenn man sich länger als ein paar Stunden innerhalb der altehrwürdigen Mauern des Anwesens aufhielt, bekam man doch die eine oder andere Kuriosität zu Gesicht. So lief ein leibhaftiges Skelett durch die Flure und nicht nur nachts waren Geister aktiv. Vor Jahren sollte es sogar einmal einen Vampir gegeben haben, aber das bezweifelte Famke stark. Sie hatte schließlich so ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dieser Spezies gemacht und wusste, dass sich wohl kaum einer dazu eignete, unter Sterblichen zu leben. Auch nicht, wenn diese Hexen und Hexer waren.

Famke selbst entsprach schon eher in gewisser Weise dem Bild, das man sich seit jeher von Hexen gemacht hatte: Sie hatte rote, krause Locken und Sommersprossen, die sich um ihre Nase verteilten. Aber sie trug keine auffällige Kleidung, sondern meist Jeans und schlichte Blusen, wie es sich für eine seriöse Sechsundzwanzigjährige gehörte. Ehe sie nach Briarcliff Manor gekommen war, hatte sie als Journalistin gearbeitet.

Bis sie selbst die Bekanntschaft eines Vampirs gemacht hatte. Die daraus resultierenden Erfahrungen – guten wie schlechten – hatten sie mehr oder weniger freiwillig mit Magie in Kontakt gebracht. Und zu ihrem eigenen Erstaunen hatte sie großes Talent dafür bewiesen. Sie hatte uralte Beschwörungen durchführen können, so dass der Vampir Corbin Kavanagh in der Lage war, menschliche Nahrung zu sich zu nehmen, und immun gegen die vernichtende Wirkung von Tageslicht war.

Trotz allem verspürte sie keine Angst, sondern vielmehr Vorfreude. Ein Engel suchte Kontakt zu ihr!